
Mariama Diagne
Modern Fish-Tales. Poetiken und Eigenlogiken in aquatischen Nachträumen
Mariama Diagne widmet sich mit ihrem Teilprojekt Modern Fish-Tales mythischen Erzählungen von MeerMenschen in fluiden Umgebungen und ihren spezifisch ambivalenten Ordnungen von Räumlichkeit, Körperlichkeit und Zeitlichkeit. Im Zentrum Diagnes transmoderner und -transkultureller MerFolk-Forschung stehen historische wie gegenwärtige Darstellungen, Praktiken und Wirkungsweisen von hybriden Figuren in Gewässern bei Nacht oder Dunkelheit, wie sie in Tanz, Performance, Film, Literatur, Musik und bildender Kunst zum Ausdruck kommen. Aquatische Nachträume vermitteln, so Diagnes Beobachtung, auf poetische , traumähnliche Weise Milieus mit einer Eigenlogik, die sich durch einen provozierenden Kippmoment auszeichnet. MeerMenschen gehen nicht, sondern bewegen sich schwimmend, sinkend, emporsteigend, vertikal, horizontal oder diagonal. Diese Fortbewegungen jenseits eines rechtwinkligen Koordinatensystems entwischen dem Gedanken-Gang oder Gedanken-Sprung als Form der Er-Klärung von Umwelten sowie dem Fort-Schritt als Antrieb der Moderne und dem Hinken als ihrem Fehl-Tritt. Ein Recht auf Opazität (Glissant) würdigend, interessiert sich Diagne insbesondere für jene Unschärfen, die Vorstellungen von einer, terrestrische Grenzen setzenden, Normativität ins Wanken bringen, auflösen oder reorganisieren. Innerhalb der Forschungsgruppe gestaltet Diagne mit Modern Fish-Tales ein Schnittstellenprojekt, das sich in der Verschränkung von Tanz- und Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, kulturwissenschaftlicher Mythos- wie Transmoderneforschung bewegt und diese mit intersektionalen und post-humanen Ansätze verknüpft.
contact: m.diagne@lmu.de