MeerMenschen

Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – Emmy Noether
Laufzeit: 2025 – 2031

Im Fokus des Projekts „MeerMenschen zwischen Mythos, Alltag und Nachleben. Tanzwissenschaftliche Perspektiven des Transfluiden“ stehen künstlerische, audiovisuelle und rituelle Darstellungen von Wasserwesen als Symbol- und Kunstfiguren. Dazu zählen etwa Meerfrauen, Meermänner, Mami Wata – eine mythische Wasserfigur aus westafrikanischen Überlieferungen – und Yemanjá, eine in brasilianischen Erzählkulturen verehrte Meeresgöttin. Diese Gestalten bewegen sich zwischen Mythos und Gegenwart, zwischen präkolonialen Traditionen und transmoderner Populärkultur. Ihre Verkörperungen treten in Ritualen, Performances und Filmen ebenso auf wie in Alltagspraktiken und digitalen Bildwelten.

Die geografische Spannweite des Projekts reicht vom Atlantik über Brasilien und Westafrika bis Polens Hauptstadt Warschau, deren Wappen eine Meerjungfrau trägt. Die Vielfalt der Wasserwesen spiegelt sich dabei auch in den Orten ihrer Erscheinung wider: an transatlantischen Küsten, in Kunsträumen weltweit – und am See vor Schloss Nennhausen in Brandenburg, dem Entstehungsort der romantischen Figur Undine.

Das Projektteam (Mariama Diagne, Isabel Kwarteng-Acheampong, Selia Marina Fischer, Maya Nikolov) analysiert diese Figuren als Körper in Bewegung, die normative Vorstellungen von Geschlecht, Identität und Kanon hinterfragen. „MeerMenschen“ brechen ihnen zufolge den Kanon stereotyper Bewegungen und Körperbilder – und fordern etablierte Kultur- und Kunstvorstellungen heraus. Gleichzeitig werden im Projekt aktuelle Trends wie das „Mermaiding“ beobachtet – das zunehmend populäre Schwimmen mit Fischschwanz. Mit der Forschung schlagen Diagne, Kwarteng-Acheampong, Fischer und Nikolov eine Brücke zwischen Tanzwissenschaft, Transmoderneforschung und postkolonialer Kulturtheorie – und leisten einen Beitrag zur Reflexion ästhetischer und politischer Körperbilder im globalen Kontext.